Oh man….ich bin so schlecht mit Tagebüchern. Ich hab das einfach nicht drauf. Und mich da immer hinsetzen und da lang und breit meine Gefühle und Gedanken aufzuschreiben ohne dass das dann jemals wieder von mir gelesen wird….Nein, danke…meistens schreibt man sowas nur, wenn es einem schlecht geht und das ist irgendwie witzlos. Das will dann ja auch keiner mehr lesen. Nein. Nein, das ist nix für mich.
Trotzdem würde ich mich gerne immer an das erinnern, was ich im Vorjahr getan habe. Beziehungsweise einfach hin und wieder ein kurzes Resumé meiner Gedanken und Erlebnisse vor Augen geführt bekommen. Und dabei interessieren mich genauso die kleinen wie die großen Sachen. Mein Alltag und die Landmarken. Die Turmspitzen, die über den üblichen Geplänkel hinaufragen.
Andere sehen das genauso und versuchen ihr Leben auf die eine oder andere Weise festzuhalten. Mir gefällt das Projekt eines Freundes sehr gut, der jeden Tag eine Sekunde seines Lebens aufnimmt. Er wird das demnächst als App rausbringen und ich werde es auf jeden Fall ausprobieren!
Denn alles, was ich bisher versucht habe, um mein Leben aufzuzeichnen, war nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. Eine ganze Zeit lange habe ich zum Beispiel versucht, einfach immer meine Kalender aufzusparen und dachte, dass wäre ganz nett, um dort immer mal wieder hineinsehen. Aber wer tut das schon? Ich jedenfalls nicht. Stattdessen vergammeln die Teile irgendwo im Regal, aber weil man sie auch schon so lange hat, schmeißt man sie natürlich auch nicht weg. Bumm. So ist das.
Und gerade jetzt, finde ich das so schade, weil in diesem Lebensalter so viele Sachen passieren. Man nimmt sich die erste eigene Wohnung, hat den ersten Job, wechselt das erste Mal den Job. Hat ein Leben. Kann sich Dinge leisten, erlebt neues. Und das will ich nicht verlieren.
Also habe ich letztes Jahr um diese einen Kalender angefangen. Einen 3 1/2 Jahres Kalender,in den ich jeden Tag eintragen kann, was passiert ist, was ich erlebt habe, was bei mir los ist oder bei meinen Freunden oder bei meiner Familie oder bei der Arbeit. Wo ich bin, was ich gegessen habe. Ganz egal. Das eben, was mir an diesem Tag “Besonders” erschien. Oder das, was die alltägliche Routine dieser Tage wiederspiegelt. Das lief erst sehr gut, dann schleppend, dann wieder gut. Aber ich habe es geschafft, mich während des Jahres immer wieder hinzusetzen und mit Hilfe von Facebook, Handyfotos und Kalendern, meine Tage und Woche aufzuarbeiten und mir kurze Notizen zu machen. Diese trage ich in Spalten untereinander ein. Jeder Tag im Jahr eine Spalte. Jedes Jahr eine Zeile. Und jetzt bin ich endlich so weit, dass ein Jahr rum ist und ich genau das erlebe, was ich erhofft hatte. Ich lese, was genau vor einem Jahr am selben Tag passiert ist. Und der Effekt ist toll. Es war so ein krass anderes Leben, dass ich vor einem Jahr geführt habe. Mit meinem Nebenjob. Total deprimiert, dass ich keine Arbeit finden werde. Total ohne Geld. Total ohne Leben. Ich hab bei meinen Eltern gewohnt und die gesamte Vorweihnachtszeit durchgearbeitet, ohne mich zu beschweren, weil ich einfach froh war, etwas zu tun zu haben. Und jetzt? Ich hab einen Job, ich hab eine Wohnung, ich hab Spaß, ich bin wieder kreativ. Ich mache Fotos, ich schreibe, ich lache.
Und trotzdem sehe ich auch voller Sehnsucht zurück ins letzte Jahr. 2011, das war das Jahr in dem ich soviel in New York war. Das war so cool. So großartig. Ich vermisse es. Und dann sehe ich die Zeilen für die nächsten zwei Jahre und bin so gespannt und aufgeregt, was dort nächstes Jahr stehen wird und ich freue mich darauf und will mich noch mehr anstrengen und will dafür arbeiten, dass es auch nächstes Jahr so ist, dass ich sagen kann: “Sieh an! Was du alles geschafft hast.”
Und das allein wird hoffentlich schon genug Motivation sein, um auch in diesem Jahr fleißig an diesem Tagebuchkalender weiters zu schreiben.