Tropic of cancer – Claude und Germaine

Claude und Germaine die zwei Prostituierten. Politisch korrekt sagt man jetzt, glaube ich, sex-worker. Miller sagt schlichtweg Huren. Was auch irgendwie interessant ist, weil sie dadurch sprachlich ganz klar getrennt sind von den üblichen “cunts”. Er benutzt dieses Wort nicht ein einziges Mal für eine der beiden. Stattdessen bezeichnet er ihre Intimsphäre sogar als “Rosenbusch”. Das kommt ja zu dem schnodderigen “cunt” schon fast einer Liebeserklärung gleich.

Und irgendwie hat er zu diesen beiden Frauen auch eine andere Beziehung. Vielleicht, weil sie so arm sind wir er? Vielleicht weil sie nichts von ihm wollen, als sein Geld, vielleicht seinen Schwanz. Sie spielen ihm etwas vor, Lust und Begehren, aber das ist in Ordnung, etwas anderes erwartet er auch gar nicht von ihnen. Es ist ihr Job. Business as usual. Nicht so wie die Frauen der Mittel- und Oberschicht mit denen er sonst schläft, die … die was? Kann ich noch gar nicht so verallgemeinern. Die vielleicht eine Beziehung suchen oder die Gefühle vortäuschen, während sie mit zwei verschiedenen Männer schlafen oder die sich nicht unter Kontrolle haben und sich von ihm (tut mir leid, aber ich werde konsequent seine direkte Sprache benutzen) ficken lassen, obwohl sie das aus ihrer gesellschaftlichen Position heraus nicht tun dürften.

Frauen die sich wie Huren verhalten, sind für ihn Fotzen. Huren sind dagegen Orte der Ruhe und der Lust. Vielleicht weil Sex nur mit ihnen wirklich Selbstzweck ist. Sex ist eine Dienstleistung. An den Protagonisten als Kunden werden keine Ansprüche gestellt.

Und deshalb ist ihm wohl auch Germaine lieber als Claude. Weil sie Hure aus ganzem Herzen ist.

She was a whore all the way through

Und genau darin sieht er ihre Stärke. Sie genießt, was sie tut, oder tut jedenfalls sehr überzeugend so. Sie sagt einem Mann, was er im Bett hören will. Und sie tritt vor allem selbstbewusst auf.

She spoke of it as if it were some extraneos object which she had acquired at great cost, an object whose value had increased with time and which now she had prized above everything in the world. (…); it was no longer just a private organ, but a treasure, a magic, potent treasure, a God-given thing – and none the less so because she traded it day in and day out for a few pieces of silver.

Sie macht sich durch ihre ganze Art zum Objekt seiner Begierde. Er zahlt und bekommt dafür guten Sex.

Das ist das krasse Gegenteil von Claude, die durch ihre immer etwas traurige Art das Gefühl von Schuld hinterlässt. Sie gehört nicht in diese schmutzige Welt und so gut sie auch versucht, sich in ihr Schicksal zu fügen, es bleibt etwas schamhaftes und elfengleiches an ihr. Das macht das ganze wiederum persönlich und deshalb ist die für den Protagonisten eben keine gute Hure.

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